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Abstrakte Kunst

Die abstrakte Kunst - eine moderne Kunstrichtung des 20. Jahrhunderts

Zu allen Zeiten suchten Künstler nach "ihrem" Stil, nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten, die sich aus alten, bestehenden Stilen hervorarbeiten und der neuen Zeit entsprechen sollten. So sind im Zusammenspiel von Wissenschaft, Architektur und Gartenkunst, Philosophie, Mode und auch Politik über die Jahrhunderte immer neue Kunststile entstanden, die den Charakter ihrer Epoche durch spezielle Attribute, Malweisen usw. für sich und die Zukunft prägten.

Die abstrakte Kunst ist eine Richtung, die sich hauptsächlich in den Bereichen wie Malerei, Plastik und Grafik nach der Wende zum 20. Jahrhundert herausgebildet hat. Wie der Name abstrakte Kunst bereits andeutet, beschäftigt sich der Künstler mit der nicht-figürlichen Darstellung der Welt. Die abstrakte Kunst ist losgelöst vom Gegenständlichen, nicht länger reelles Abbild der Wirklichkeit. Egal ob Lebewesen oder Gegenstände – alles wird nicht oder nur angedeutet gegenständlich dargestellt. Hinzu kam die ständige Weiterentwicklung der Fototechnik, die der abstrakten Kunst einen starken Schub gab. Sie ermöglichte eine völlig neue Darstellung der realen Welt und drohte zeitweise, die gegenständliche Malerei überflüssig zu machen.

Die abstrakte Kunst – ihr Beginn und ihre Protagonisten

Wie jede Stilrichtung hat auch die abstrakte Kunst ihre Vorreiter, Künstler, die die Welt anders wahrnahmen und deshalb anders darstellten als bis dahin. Wassily Kandinsky und František Kupka zählen zu den Avantgardisten der abstrakten Kunst. Gerade Kandinsky gilt als Paradebeispiel des suchenden (und Ausdruck findenden) Künstlers. Er hat auf seinem künstlerischen Weg viele Phasen durchlaufen und Stile "erfunden" oder übernommen und weiterentwickelt.

Kandinsky beschäftigte sich auch theoretisch mit der neuen Kunstrichtung. Seine Schrift "Über das Geistige in der Kunst" von 1911 stellt eine wegbereitende theoretische Grundlage der neuen Strömung in der Kunst, insbesondere der Malerei, dar. Das erste abstrakte Gemälde des heute nahezu unbekannten František Kupka ist auf 1911 datiert. Einige weitere bekannteVertreter der abstrakten Kunst der Jahrhundertwende sind Robert Delaunay und Piet Mondrian, ebenso wie Francis Picabia.

Petra Klos abstrakte Kunst

Petra Klos: informelle Malerei "Field of Gold", weitere Werke der Künstlerin finden Sie HIER

Aus den Anfängen der abstrakten Malerei bildeten sich zwei Hauptströmungen heraus: Die vom Expressionismus kommende, vertreten durch Wilhelm Nay und Hans Hartung, die die völlige Ablösung vom Gegenständlichen anstrebte. Dabei standen Farben, Strukturen, Kompositionen und Formen im Vordergrund. Der zeitgleich entstandene zweite Trend ging zur geometrischen abstrakten Kunst und war wesentlich vom Kubismus beeinflusst. Hier dienten die geometrischen Stilelemente zur Darstellung des Nicht-Sichtbaren. Berühmte Vertreter dieser Richtung waren Piet Mondrian und der Russe Kasimir Malewitsch.

Beiden Strömungen gleich war die Distanzierung von der realitätsnahen Darstellung. Vielmehr ging es nun um ein Abbild der Innenwelt des Künstlers bzw. seiner Fantasie. Das gab dem Künstler eine völlig neue Situation der Freiheit in der Darstellung.

Diese "europalastige" Sicht lässt leider die Kunstentwicklung, z.B. im arabischen Raum oder bei indigenen Völkern weltweit außer Acht. Für einen umfassenden Bick auf die Entwicklung jeder Kunstgattung sollten immer Bemühungen unternommen werden, der Kunstentwicklung in globalem Umfang die ihr gebührende Beachtung zu schenken.

Was charakterisiert abstrakte Kunst?

Während in der figürlichen Malerei die visuell wahrnehmbare Welt, wie sie ist, abgebildet wird, haben die Vertreter der abstrakten Kunst mehr Gestaltungsfreiheit. Der Künstler wird in die Lage versetzt, Ideelles, seine Gedanken und Gefühle, sichtbar zu machen, seine schöpferischen Fähigkeiten abstrakt auszuleben. Viele Künstler lehnen einen Vergleich ihres Werkes mit der realen Welt ab und verweisen auf ihre Kreativität, die einzig zur Entstehung des Werkes beigetragen hat.

Der Künstler stellt seine Innenwelt dar – und tritt in den Dialog mit dem Betrachter, indem er ihn auffordert, sich mit der Botschaft seines Werkes und des Künstlers auseinanderzusetzen und das Werk zu deuten. Auf diese Weise macht sich jeder Betrachter sein eigenes, subjektives Bild von dem Werk, das somit unendlich viele verschiedene Aussagen von seinen Rezipienten zugewiesen bekommt.

Die Richtungen der abstrakten Kunst und einige ihrer Vertreter

Die abstrakte Kunst ist bis heute eine breit gefächerte Stilrichtung in stetiger Weiterentwicklung. Allein durch die Verwendung immer neuer Stilmittel und Materialien bieten sich dem Künstler sowie dem Betrachter eine große Vielfalt.

Kunst Skulptur abstrakt

Abstrakte Plastik aus Sandstein: weitere Skulpturen finden Sie HIER

Nicht zu ignorieren ist die abstrakte Plastik. Auch sie hat ihre Anfänge im Beginn des 20. Jahrhunderts. Insbesondere aus dem Jugendstil mit seinen vielen amorphen Formen konnte sich eine nicht-figürliche neue Strömung entwickeln. Bis heute bekannte und verehrte Vertreter sind Rudolf Belling und Hans Arp. Die Künstler des russischen Konstruktivismus wie Tatlin haben die abstrakte Plastik stark vorangetrieben. Ihre Themen waren u.a. das Wechselspiel zwischen den Elementen des Raumes: In welchem Verhältnis

stehen geometrische Teile wie z.B. Linien und Flächen zum Raum? Wie entwickelt sich diese Konstellation?

Und wohin?

Die Entfaltung der abstrakten Plastik verlief ebenfalls global. Henry Moore hat diese Kunstform sowohl in der Malerei als auch der Plastik vorangetrieben und immer wieder neu ausgereizt.

Zeitgenössische Künstler wie Tony Cragg mit ihrer neuen Formensprache, häufig mit modernen Kunststoffen umgesetzt, erweitern die Vielfalt abstrakter Plastik. 

Erinnern wir uns an die Anfänge der abstrakten Kunst seit der Jahrhundertwende: Die Vielfalt kam sowohl aus der Richtung Expressionismus (Wassili Kandinsky), die später z.B. von Jackson Pollock (1912 - 1956) völlig erneuert wurde. Als ein Vertreter der deutschen sogenannten "Nachkriegskunst" nach 1945 soll Ernst Wilhelm Nay (1902 - 1968) genannt werden. Hier verlief die Entwicklung in Richtung Informel, wo sie in eine oftmals völlig ungebundene Form mündete.

Die zweite abstrakte Kunst - Richtung wurde vom Kubismus und Konstruktivismus und seinen Vertretern wie Malewitsch und Mondrian gegangen. Der Trend lief zur konkreten Kunst. Der Deutsche Willi Baumeister (1889 - 1955) ist bis heute ein geschätzter Repräsentant. Aber auch die Surrealisten wie Yves Tanguy entwickelten eigene Bildsprachen, ebenso – auf seine ganz typische und unverkennbare Weise – Paul Klee (1879 - 1940) und Lyonel Feininger.

abstrakte Gemälde von Dieu

Zeitgenössisches Gemälde von Dieu: "Sulveron", weitere Werke des Künstlers finden Sie HIER

Die Techniken in der abstrakten Kunst

Die Malerei und Plastik gelten weiterhin als die Hauptgebiete der abstrakten Kunst. Bei der Wahl der einzelnen Stilmittel gab es im Laufe der Zeit immer wieder enorme Veränderungen, zumeist ermöglicht durch die technische Entwicklung der Materialien. Die Ölmalerei als ein Hauptaktionsfeld erlebte heftige Stilbrüche, wie z.B. durch das Action Painting, das Jackson Pollock in den fünfziger Jahren bekannt machte und ihn u.a. dank der Sammlerin und Galeristin Peggy Guggenheim weltberühmt machte. Weitere Techniken bei der Ölmalerei sind das Spachteln, die Mischtechnik (Öl und andere Materialien), ferner Gießtechnik, Dripping (siehe Pollock), Lasieren, Collagieren usw. Nichtsdestotrotz hat abstrakte Kunst auch in den Techniken wie dem Aquarell ihr Zuhause und wichtige Vertreter. Auch die verschiedenen Bereiche der Grafik bieten den Künstlern unendlich viele Ausdrucksmöglichkeiten. Die Mixed Media verbindet verschiedene Materialien und Techniken zu einem Kunstwerk.

In der Skulptur finden heute sämtliche reelle Materialien Einsatz. Die Künstler verwenden neben traditioneller Bronze, Holz und Stahl verschiedene Steinarten, Kunststoff, Textilien und Naturstoffe wie z.B. Pflanzen.

Auch die Video- und Fototechnik haben sich immer weiterentwickelt und eigenständige, anerkannte Sparten eingerichtet. Hier sollte der Name June Paik (1932 - 2006) als weltweit anerkannter Künstler der abstrakten Kunst erwähnt bleiben.

Zustimmung und Kritik zur abstrakten Kunst

Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass die abstrakte Kunstform polarisiert: Sowohl beim Publikum als auch bei der Kunstkritik stießen und stoßen die abstrakten Kunstwerke bis heute sowohl auf Begeisterung als auch auf strikte Ablehnung. Oft wurde und wird dem Künstler in dieser – nicht immer sachlichen – Diskussion jegliche künstlerische Fähigkeit abgesprochen.

modernes Gemälde Aktkunst abstrakt

"Erwartungsvoll" Original abstraktes Aktgemälde von Michaela Steinacher, weitere Werke der Künstlerin HIER

Die wichtigsten Vertreter der abstrakten Kunst

Diese Frage wird immer subjektiv unterschiedlich beantwortet werden. Mehr als hundert Jahre abstrakte Kunst auf verschiedenen Kontinenten mit so vielen verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten machen es schwer, kunstgeschichtlich eine sichere, handhabbare und Bestand habende Werteskala aufzustellen. Keine Liste ist annähernd vollständig. Es geht lediglich darum, Orientierungshilfe zu bieten. Jedoch besteht wohl Einigkeit darin, die folgenden Künstler als weltweit anerkannte Vertreter von abstrakter Kunst zu nennen:

Der Russe Wassily Kandinsky, die Franzosen Francis Picabia und Yves Klein, Willem de Kooning aus den USA, ebenso wie Jackson Pollock und der Deutsche Gerhard Richter sind herausragende Vertreter der abstrakten Kunst.

Wo ist abstrakte Kunst zu sehen?

Abstrakte Kunst ist mehr denn je Bestandteil unseres täglichen Lebens, nicht nur im Museum. Überall im Stadtbild sind heute abstrakt gestaltete Skulpturen zu entdecken. Kunst am Bau ist oft abstrakt. Und die große Vielfalt der Reproduktionsmöglichkeiten wie z.B. durch Poster lässt heute die Gestaltung und Dekoration mit abstrakter Kunst in nahezu allen (privaten und institutionellen) Innenräumen zu.

Viele große Sammlungen auf der Welt bieten originale abstrakte Kunstwerke. Einrichtungen für ausschließlich zeitgenössische Kunst zeigen selbstverständlich auch abstrakte Kunst. Solche Ausstellungen sind überall auf der Welt zu besuchen. Das New Yorker Museum of Modern Art hat eine umfassende Sammlung abstrakter Kunst zu bieten. Andere Museen wurden zwar erst nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet, gesammelt wurde aber schon viel früher. Das Guggenheim Museum in New York in dem von Frank Lloyd Wright erbauten außergewöhnlichem Gebäude, aber auch die Peggy Guggenheim-Stiftung in Venedig sind zu nennen. Berlin schätzt sich glücklich, die umfangreiche Sammlung der Neuen Nationalgalerie in einem bedeutenden Museumsbau von Mies van der Rohe, einer Ikone der modernen Architektur, zu beherbergen.

Aber auch das China Art Museum in Shanghai als nur ein Beispiel umfangreicher zeitgenössischer, auch abstrakte Kunst, ist zu nennen.

Literatur zur abstrakten Kunst

Aus der Vielzahl der die abstrakte Kunst behandelnden Bibliothek werden hier nur vier Bücher ohne den Anspruch einer wertenden Reihenfolge herausgegriffen:

- Dietmar Elger: Abstrakte Kunst. Taschen, Köln 2008, ISBN 978-3-8228-5617-8

- Barbara Hess/Uta Grosenick (Hrsg.): Abstrakter Expressionismus. Taschen, Köln 2005, ISBN 3-8228-2967-6

- Bettina Ruhrberg, Karl Ruhrberg: Im Zeichen der Abstraktion. Zur westdeutschen Kunst 1945–1960. In: Ferdinand Ullrich (Hrsg.): Kunst des Westens. Deutsche Kunst 1945–1960. (Katalog der Kunstausstellung der Ruhrfestspiele Recklinghausen 1996). Wienand Verlag, Köln 1996, ISBN 3-87909-489-6

- Susanne Anna (Hrsg.): Die Informellen – von Pollock zu Schumacher. Hatje Cantz, Ostfildern 1999, ISBN 3-89322-689-3

Die abstrakte Kunst - eine moderne Kunstrichtung des 20. Jahrhunderts Zu allen Zeiten suchten Künstler nach "ihrem" Stil, nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten, die sich aus alten, bestehenden... mehr erfahren »
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Abstrakte Kunst

Die abstrakte Kunst - eine moderne Kunstrichtung des 20. Jahrhunderts

Zu allen Zeiten suchten Künstler nach "ihrem" Stil, nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten, die sich aus alten, bestehenden Stilen hervorarbeiten und der neuen Zeit entsprechen sollten. So sind im Zusammenspiel von Wissenschaft, Architektur und Gartenkunst, Philosophie, Mode und auch Politik über die Jahrhunderte immer neue Kunststile entstanden, die den Charakter ihrer Epoche durch spezielle Attribute, Malweisen usw. für sich und die Zukunft prägten.

Die abstrakte Kunst ist eine Richtung, die sich hauptsächlich in den Bereichen wie Malerei, Plastik und Grafik nach der Wende zum 20. Jahrhundert herausgebildet hat. Wie der Name abstrakte Kunst bereits andeutet, beschäftigt sich der Künstler mit der nicht-figürlichen Darstellung der Welt. Die abstrakte Kunst ist losgelöst vom Gegenständlichen, nicht länger reelles Abbild der Wirklichkeit. Egal ob Lebewesen oder Gegenstände – alles wird nicht oder nur angedeutet gegenständlich dargestellt. Hinzu kam die ständige Weiterentwicklung der Fototechnik, die der abstrakten Kunst einen starken Schub gab. Sie ermöglichte eine völlig neue Darstellung der realen Welt und drohte zeitweise, die gegenständliche Malerei überflüssig zu machen.

Die abstrakte Kunst – ihr Beginn und ihre Protagonisten

Wie jede Stilrichtung hat auch die abstrakte Kunst ihre Vorreiter, Künstler, die die Welt anders wahrnahmen und deshalb anders darstellten als bis dahin. Wassily Kandinsky und František Kupka zählen zu den Avantgardisten der abstrakten Kunst. Gerade Kandinsky gilt als Paradebeispiel des suchenden (und Ausdruck findenden) Künstlers. Er hat auf seinem künstlerischen Weg viele Phasen durchlaufen und Stile "erfunden" oder übernommen und weiterentwickelt.

Kandinsky beschäftigte sich auch theoretisch mit der neuen Kunstrichtung. Seine Schrift "Über das Geistige in der Kunst" von 1911 stellt eine wegbereitende theoretische Grundlage der neuen Strömung in der Kunst, insbesondere der Malerei, dar. Das erste abstrakte Gemälde des heute nahezu unbekannten František Kupka ist auf 1911 datiert. Einige weitere bekannteVertreter der abstrakten Kunst der Jahrhundertwende sind Robert Delaunay und Piet Mondrian, ebenso wie Francis Picabia.

Petra Klos abstrakte Kunst

Petra Klos: informelle Malerei "Field of Gold", weitere Werke der Künstlerin finden Sie HIER

Aus den Anfängen der abstrakten Malerei bildeten sich zwei Hauptströmungen heraus: Die vom Expressionismus kommende, vertreten durch Wilhelm Nay und Hans Hartung, die die völlige Ablösung vom Gegenständlichen anstrebte. Dabei standen Farben, Strukturen, Kompositionen und Formen im Vordergrund. Der zeitgleich entstandene zweite Trend ging zur geometrischen abstrakten Kunst und war wesentlich vom Kubismus beeinflusst. Hier dienten die geometrischen Stilelemente zur Darstellung des Nicht-Sichtbaren. Berühmte Vertreter dieser Richtung waren Piet Mondrian und der Russe Kasimir Malewitsch.

Beiden Strömungen gleich war die Distanzierung von der realitätsnahen Darstellung. Vielmehr ging es nun um ein Abbild der Innenwelt des Künstlers bzw. seiner Fantasie. Das gab dem Künstler eine völlig neue Situation der Freiheit in der Darstellung.

Diese "europalastige" Sicht lässt leider die Kunstentwicklung, z.B. im arabischen Raum oder bei indigenen Völkern weltweit außer Acht. Für einen umfassenden Bick auf die Entwicklung jeder Kunstgattung sollten immer Bemühungen unternommen werden, der Kunstentwicklung in globalem Umfang die ihr gebührende Beachtung zu schenken.

Was charakterisiert abstrakte Kunst?

Während in der figürlichen Malerei die visuell wahrnehmbare Welt, wie sie ist, abgebildet wird, haben die Vertreter der abstrakten Kunst mehr Gestaltungsfreiheit. Der Künstler wird in die Lage versetzt, Ideelles, seine Gedanken und Gefühle, sichtbar zu machen, seine schöpferischen Fähigkeiten abstrakt auszuleben. Viele Künstler lehnen einen Vergleich ihres Werkes mit der realen Welt ab und verweisen auf ihre Kreativität, die einzig zur Entstehung des Werkes beigetragen hat.

Der Künstler stellt seine Innenwelt dar – und tritt in den Dialog mit dem Betrachter, indem er ihn auffordert, sich mit der Botschaft seines Werkes und des Künstlers auseinanderzusetzen und das Werk zu deuten. Auf diese Weise macht sich jeder Betrachter sein eigenes, subjektives Bild von dem Werk, das somit unendlich viele verschiedene Aussagen von seinen Rezipienten zugewiesen bekommt.

Die Richtungen der abstrakten Kunst und einige ihrer Vertreter

Die abstrakte Kunst ist bis heute eine breit gefächerte Stilrichtung in stetiger Weiterentwicklung. Allein durch die Verwendung immer neuer Stilmittel und Materialien bieten sich dem Künstler sowie dem Betrachter eine große Vielfalt.

Kunst Skulptur abstrakt

Abstrakte Plastik aus Sandstein: weitere Skulpturen finden Sie HIER

Nicht zu ignorieren ist die abstrakte Plastik. Auch sie hat ihre Anfänge im Beginn des 20. Jahrhunderts. Insbesondere aus dem Jugendstil mit seinen vielen amorphen Formen konnte sich eine nicht-figürliche neue Strömung entwickeln. Bis heute bekannte und verehrte Vertreter sind Rudolf Belling und Hans Arp. Die Künstler des russischen Konstruktivismus wie Tatlin haben die abstrakte Plastik stark vorangetrieben. Ihre Themen waren u.a. das Wechselspiel zwischen den Elementen des Raumes: In welchem Verhältnis

stehen geometrische Teile wie z.B. Linien und Flächen zum Raum? Wie entwickelt sich diese Konstellation?

Und wohin?

Die Entfaltung der abstrakten Plastik verlief ebenfalls global. Henry Moore hat diese Kunstform sowohl in der Malerei als auch der Plastik vorangetrieben und immer wieder neu ausgereizt.

Zeitgenössische Künstler wie Tony Cragg mit ihrer neuen Formensprache, häufig mit modernen Kunststoffen umgesetzt, erweitern die Vielfalt abstrakter Plastik. 

Erinnern wir uns an die Anfänge der abstrakten Kunst seit der Jahrhundertwende: Die Vielfalt kam sowohl aus der Richtung Expressionismus (Wassili Kandinsky), die später z.B. von Jackson Pollock (1912 - 1956) völlig erneuert wurde. Als ein Vertreter der deutschen sogenannten "Nachkriegskunst" nach 1945 soll Ernst Wilhelm Nay (1902 - 1968) genannt werden. Hier verlief die Entwicklung in Richtung Informel, wo sie in eine oftmals völlig ungebundene Form mündete.

Die zweite abstrakte Kunst - Richtung wurde vom Kubismus und Konstruktivismus und seinen Vertretern wie Malewitsch und Mondrian gegangen. Der Trend lief zur konkreten Kunst. Der Deutsche Willi Baumeister (1889 - 1955) ist bis heute ein geschätzter Repräsentant. Aber auch die Surrealisten wie Yves Tanguy entwickelten eigene Bildsprachen, ebenso – auf seine ganz typische und unverkennbare Weise – Paul Klee (1879 - 1940) und Lyonel Feininger.

abstrakte Gemälde von Dieu

Zeitgenössisches Gemälde von Dieu: "Sulveron", weitere Werke des Künstlers finden Sie HIER

Die Techniken in der abstrakten Kunst

Die Malerei und Plastik gelten weiterhin als die Hauptgebiete der abstrakten Kunst. Bei der Wahl der einzelnen Stilmittel gab es im Laufe der Zeit immer wieder enorme Veränderungen, zumeist ermöglicht durch die technische Entwicklung der Materialien. Die Ölmalerei als ein Hauptaktionsfeld erlebte heftige Stilbrüche, wie z.B. durch das Action Painting, das Jackson Pollock in den fünfziger Jahren bekannt machte und ihn u.a. dank der Sammlerin und Galeristin Peggy Guggenheim weltberühmt machte. Weitere Techniken bei der Ölmalerei sind das Spachteln, die Mischtechnik (Öl und andere Materialien), ferner Gießtechnik, Dripping (siehe Pollock), Lasieren, Collagieren usw. Nichtsdestotrotz hat abstrakte Kunst auch in den Techniken wie dem Aquarell ihr Zuhause und wichtige Vertreter. Auch die verschiedenen Bereiche der Grafik bieten den Künstlern unendlich viele Ausdrucksmöglichkeiten. Die Mixed Media verbindet verschiedene Materialien und Techniken zu einem Kunstwerk.

In der Skulptur finden heute sämtliche reelle Materialien Einsatz. Die Künstler verwenden neben traditioneller Bronze, Holz und Stahl verschiedene Steinarten, Kunststoff, Textilien und Naturstoffe wie z.B. Pflanzen.

Auch die Video- und Fototechnik haben sich immer weiterentwickelt und eigenständige, anerkannte Sparten eingerichtet. Hier sollte der Name June Paik (1932 - 2006) als weltweit anerkannter Künstler der abstrakten Kunst erwähnt bleiben.

Zustimmung und Kritik zur abstrakten Kunst

Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass die abstrakte Kunstform polarisiert: Sowohl beim Publikum als auch bei der Kunstkritik stießen und stoßen die abstrakten Kunstwerke bis heute sowohl auf Begeisterung als auch auf strikte Ablehnung. Oft wurde und wird dem Künstler in dieser – nicht immer sachlichen – Diskussion jegliche künstlerische Fähigkeit abgesprochen.

modernes Gemälde Aktkunst abstrakt

"Erwartungsvoll" Original abstraktes Aktgemälde von Michaela Steinacher, weitere Werke der Künstlerin HIER

Die wichtigsten Vertreter der abstrakten Kunst

Diese Frage wird immer subjektiv unterschiedlich beantwortet werden. Mehr als hundert Jahre abstrakte Kunst auf verschiedenen Kontinenten mit so vielen verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten machen es schwer, kunstgeschichtlich eine sichere, handhabbare und Bestand habende Werteskala aufzustellen. Keine Liste ist annähernd vollständig. Es geht lediglich darum, Orientierungshilfe zu bieten. Jedoch besteht wohl Einigkeit darin, die folgenden Künstler als weltweit anerkannte Vertreter von abstrakter Kunst zu nennen:

Der Russe Wassily Kandinsky, die Franzosen Francis Picabia und Yves Klein, Willem de Kooning aus den USA, ebenso wie Jackson Pollock und der Deutsche Gerhard Richter sind herausragende Vertreter der abstrakten Kunst.

Wo ist abstrakte Kunst zu sehen?

Abstrakte Kunst ist mehr denn je Bestandteil unseres täglichen Lebens, nicht nur im Museum. Überall im Stadtbild sind heute abstrakt gestaltete Skulpturen zu entdecken. Kunst am Bau ist oft abstrakt. Und die große Vielfalt der Reproduktionsmöglichkeiten wie z.B. durch Poster lässt heute die Gestaltung und Dekoration mit abstrakter Kunst in nahezu allen (privaten und institutionellen) Innenräumen zu.

Viele große Sammlungen auf der Welt bieten originale abstrakte Kunstwerke. Einrichtungen für ausschließlich zeitgenössische Kunst zeigen selbstverständlich auch abstrakte Kunst. Solche Ausstellungen sind überall auf der Welt zu besuchen. Das New Yorker Museum of Modern Art hat eine umfassende Sammlung abstrakter Kunst zu bieten. Andere Museen wurden zwar erst nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet, gesammelt wurde aber schon viel früher. Das Guggenheim Museum in New York in dem von Frank Lloyd Wright erbauten außergewöhnlichem Gebäude, aber auch die Peggy Guggenheim-Stiftung in Venedig sind zu nennen. Berlin schätzt sich glücklich, die umfangreiche Sammlung der Neuen Nationalgalerie in einem bedeutenden Museumsbau von Mies van der Rohe, einer Ikone der modernen Architektur, zu beherbergen.

Aber auch das China Art Museum in Shanghai als nur ein Beispiel umfangreicher zeitgenössischer, auch abstrakte Kunst, ist zu nennen.

Literatur zur abstrakten Kunst

Aus der Vielzahl der die abstrakte Kunst behandelnden Bibliothek werden hier nur vier Bücher ohne den Anspruch einer wertenden Reihenfolge herausgegriffen:

- Dietmar Elger: Abstrakte Kunst. Taschen, Köln 2008, ISBN 978-3-8228-5617-8

- Barbara Hess/Uta Grosenick (Hrsg.): Abstrakter Expressionismus. Taschen, Köln 2005, ISBN 3-8228-2967-6

- Bettina Ruhrberg, Karl Ruhrberg: Im Zeichen der Abstraktion. Zur westdeutschen Kunst 1945–1960. In: Ferdinand Ullrich (Hrsg.): Kunst des Westens. Deutsche Kunst 1945–1960. (Katalog der Kunstausstellung der Ruhrfestspiele Recklinghausen 1996). Wienand Verlag, Köln 1996, ISBN 3-87909-489-6

- Susanne Anna (Hrsg.): Die Informellen – von Pollock zu Schumacher. Hatje Cantz, Ostfildern 1999, ISBN 3-89322-689-3

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