Kulturlos für immer und ewig dank Corona?

Das ist nur eine beunruhigende Vorstellung oder doch eine reelle Gefahr 

Wenige Kontakte, gefesselt in den eigenen vier Wänden und dennoch das Verlangen nach Schönem. Wirtschaftlich sieht es für die Kreativwirtschaft nicht gut aus. Trotz versprochener und zugegebenermaßen reichlich gefüllter Fördertöpfe – die Corona-Krise stellt uns vor große gesellschaftliche Herausforderungen. Manch ein kreativer Kopf, jemand mit schöpferischen Ansprüchen möchte sich gar nicht zum Bittsteller degradieren lassen und seine Freiheit nicht unbedingt gegen eine finanzielle Abhängigkeit tauschen, die eine Bezahlung aus unterschiedlichen Töpfen zwangsläufig mit sich bringt.

In diesen Tagen müssen viele Menschen Entscheidungen treffen, die unser Leben umkrempeln. Wir müssen auf Besuche verzichten, suchen trotzdem nach einer Abwechslung für die Augen. Unser Zuhause bekommt eine neue Bedeutung. Auch Kunst, Bilder, Skulpturen bekommen einen neuen Platz in unserem Leben. Frei nach dem Motto: wenn der Museumsbesuch nicht möglich ist, hole ich mir meine Kunst zu mir. Denn traditionelle Konzerte, Ausstellungseröffnungen, Galeriebesuche müssen ausfallen. Wir lesen stattdessen in Tabellen, Fallzahlen und detektieren den Impfstatus oder suchen nach einer Systemrelevanz.

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Links: Unikat Gemälde in Öl "Rendevouz I" (2019), verkauft, Abbildung rechts: Mila Plaickner in ihrem Atelier im österreichischen Vorarlberg

Keine Kunst ohne Gunst

Wir alle haben Erfahrungen sammeln müssen. Welche Entwicklung werden wir als Gesellschaft gehen? Wie sieht das Gesundheitswesen post-Corona aus? Wie geht unsere Gesellschaft künftig mit Risikogruppen um? Was halten wir denen entgegen, die immer wieder survival of the fittest propagieren? Seit einigen Jahren suchen wir Kommunikationsformen, müssen Meinungen aushalten und gemeinsame Nenner finden. Trotzdem gibt es Punkte, die nicht verhandelbar sind: die Würde, das Leben, die Freiheit. Was passiert dann, wenn daraus gesellschaftliche Konflikte entstehen? Genau in diesem Prozess ist Kultur gefragt – im engen und weiteren Sinn. Die Kreativwirtschaft ist, wie der Name bereits signalisiert, ein Wirtschaftszweig, abrechenbar. Viele vergessen bei der jetzt wieder eingeführten Debatte um den Wert der Kultur, dass weder eine App noch ein neues Autodesign oder unsere vertrauten Kommunikationswege nicht vorstellbar wären ohne kreative Ideen – deren Ursprung in Bildern, Musik und Texten liegt.

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Unikat Gemälde der Künstlerin Michaela Steinacher: "FUCK CORONA" (2020), verkäuflich

Spannende Interaktion

Die Kunstszene steckt in einer Krise – möglicherweise nicht erst seit einem knappen Corona-Jahr. Bereits ohne das Virus haben es Akteure abseits der Hochkultur schwer gehabt, wenn sie nach Aufmerksamkeit verlangten und sich ihre Nischen gestalteten. Ihre privaten Initiativen haben viel Energie gekostet, und zwischen Eigenvermarktung, Ideensuche und Öffentlichkeitsarbeit blieb kaum Zeit für Kreativität. Eine Situation, die sich weiter zuspitzt. Auch die Kreativwirtschaft ist nicht ganz frei von Fehlern und hat die Ursachen zugelassen, weil viele Maler, Musiker, Tontechniker und Veranstalter allein gearbeitet haben, ohne ein funktionierendes Netzwerk – wie es auch unsere Galerie bietet. Heute zeigt sich das Defizit einer eigenen Interessenvertretung. Klar ist es schwierig, die vielschichtigen Belange, die eine Galerie umtreiben, die eine Band bewegen, die Grafiker und Maler herausfordern, unter einen Hut zu bringen, aber mögliche Hilfen würden sich wahrscheinlich besser erstreiten lassen als im Ein-Mann-Betrieb.

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Bild oben: Mila Plaickner in ihrem Atelier  >> Kunstwerke der Künstlerin ansehen

In jedem Fall stecken Künstler zwischen New York und Moskau, zwischen Stockholm und Rom, Paris und Berlin in einer Falle. Einige sind in ihren Studios und Ateliers gefesselt, isoliert vom Publikum, gefangen in der Einsamkeit – oft genug nahe dem Sinnvakuum, sich dem Schaffens-Lockdown ergebend. Selbst wer gern die Einsamkeit sucht, wird in den letzten Monaten auf eine harte Probe gestellt, denn immer, wenn es um Kreativität geht, ist eine Interaktion gefragt – mal in einem früheren, mal in einem späteren Stadium. Wer ausstellt, der stellt zur Diskussion. Der stellt sich den Fragen, will Meinungen hören, will den Gesichtsausdruck seines Publikums erfahren, Gesten erkennen – sein Schaffen hinterfragt sehen und darauf reagieren. Davon ist kaum jemand ganz frei.
 

Corona, und dann?

Selbst unsere Städte werden sich wahrscheinlich verändern. Denn während des Lockdown hat sich herausgestellt, wie wichtig es ist, dass Parks und Grünanlagen schnell zu Fuß erreichbar sein sollten. Unsere persönlichen Kontakte zu Kollegen, Familien und Freunden haben einen völlig neuen Stellenwert bekommen. Gaststätten, Theater oder Fitnessstudios sind regelrecht wertvoll geworden. Wie gelingt der Spagat zwischen Freiheit und Gesundheit künftig? Kann es da eine Abwägung geben? Finden wir mit einem Impfstoff zurück zur Normalität?

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Aufgaben neu definiert


Sie stellen Fragen, sie unterhalten, sie liefern immer wieder neue Ideen – Schauspieler, Musiker, Autoren. Alle Akteure vor und hinter den Kulissen sorgen für perfekte Bilder, Wortspielerei und letztendlich für den gesellschaftlichen Kitt. Auf vielen Bildern finden die Augen eine Auszeit, wird die Fantasie beflügelt. Einige Dinge, die uns lebenswert, erstrebenswert erschienen, treten in den Hintergrund. Wir sind mit vielen unserer Künstler in Kontakt, versuchen uns in Unterstützung und Verständnis. Ihr Schaffen, ihre Kreativität gibt uns Mut und lässt uns einsame Stunden deutlich kürzer erscheinen.
 
 
Seit etwa einem dreiviertel Jahr ist es still geworden. Lesungen, Ausstellungseröffnungen, Galeriebesuche, Konzerte, Auftritte waren im Sommer nur stark eingeschränkt möglich. Aktuell greift wieder der Lockdown. Die Konsequenz: Die Welt startet kulturlos in den Winter – ein Ende kaum in Sicht. Mag den anstehen Impfungen auch noch so eine große Bedeutung beigemessen werden, Corona hinterlässt Spuren, die sich nicht so leicht wegtherapieren lassen. Geplante Premieren wurden abgesagt. Für die Weihnachtsprogramme auf den Bühnen und in den Opernhäusern dieser Welt öffnet sich dieser Tage kein Vorhang. Doch während die festangestellten Ensemblemitglieder sich über diese harte Zeit vielleicht noch hangeln können, bleibt die Frage im Raum: Wie geht das Leben bei den Freiberuflern, den Soloselbstständigen weiter? Selbst wenn irgendwann der Spielbetrieb wieder startet, werden die Theater nicht im Geld schwimmen und alle Verträge fortführen können.

 

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"Ich geh mit dir wohin du willst" Unikatgemälde Susann Kasten-Jerke (2020) "Hier Sein!", Tusche-Mischtechnik, 60x50cm (2020) von Ute Kleist Eindrucksvolle Landschaft, Gemälde von Inge Philippin "Landscape" (2020)

 

Wann nur, wann...?

Eine einfache Frage, auf die es derzeit keine Antwort gibt.
Sicherlich kann niemand erwarten, dass dieser unfreiwillige Kultur-Winterschlaf vielleicht im März, vielleicht nach Anlaufen der Impfungen einfach vorbei ist und alle kreativ vor Publikum treten werden, die Staffeleien in die Mitte der Ateliers räumen können. Es wird einen kräftezehrenden Anlauf brauchen.
 
Einerseits liegt die Vermutung nahe, dass einige die lange Durststrecke schlicht und ergreifend nicht unbeschadet überstehen, und wer von den Reserven leben kann, der wird sicherlich ein Anderer sein. Den werden andere Themen beschäftigen, der wird vielleicht einen anderen Stil finden oder sich in einen krisensicheren Job gerettet haben. Was heißt das aber für eine ohnehin fragende Gesellschaft, wenn die Impulse der Kreativwirtschaft auf der Strecke bleiben, wenn deren Engagement fehlt, die kritischen Fragen nicht gestellt werden? Dann fehlen auch die schönen Abende, viel wichtiger: Es bleiben die Diskussionen aus. Die eigene Identität dürfte tiefe Risse bekommen.
 
Ja, und dann gilt es, das Publikum wiederzugewinnen, Ideen auf die Bühne zu stellen, zu provozieren, zu versöhnen und einfach zu unterhalten - in einem größeren und ansprechenden Rahmen, den eben nur ein Theater, ein Kino, ein Musikklub bietet. Nach einem Kaltstart nicht das leichteste Unterfangen.

Corona Mila Plaickner

Foto: Modernes Ölgemälde von Mila Plaickner: "Frau im roten Mantel", verkäuflich

Wer soll das bezahlen?

Nachdem die Kassen der Kommunen, die Haushalte der Länder in den letzten Monaten geschröpft wurden und Unterstützung für Industrie, Schulen und Gastronomie laufen oder gelaufen sind, ist das Budget für 2021/22 bereits verplant. Wer jetzt einen Nachschlag verhandeln will, hat nicht die dankbarste Rolle. Die Verluste der Kulturbetriebe dürften sich jetzt bereits auf etwa viele Millionen Euro beziffern lassen.

Impulse für die Kunst und unsere Galerie

Viele unserer Künstler nutzen die verordnete Auszeit für ein Neudenken, für eine Auseinandersetzung, für neue Werke.
Aus Ohnmacht und Isolation entwickeln sie neue Sichtweisen und Ausdrucksformen. Personen, Portraits, Landschaften bekommen oft einen eignen Ausdruck. Freiwillig oder unfreiwillig nehmen Pinsel und Farbe einen neuen Lauf. Zögerliche Gedanken etablieren sich mehr und mehr. Daraus entstehen Lieblingswerke, Bilder voller Leidenschaft und einem leisen Anflug von Geborgenheit.

 

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